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Bewerbung via TikTok: Sollen wir unseren Lebenslauf tanzen?

Die Versicherungsbranche hat ein Nachwuchsproblem. Doch wie lässt sich die junge Zielgruppe zu einer Karriere in diesem Bereich überzeugen? Die Videoplattform TikTok hat ein Pilotprojekt gestartet, um Unternehmen mit jungen Talenten zusammenzubringen.

TikTok will erwachsen werden

Das soziale Netzwerk TikTok ist für seine kurzen Tanz- und Spaßvideos bekannt – und bei seinen überwiegend sehr jungen Nutzern beliebt. Laut Statista waren im ersten Quartal 2021 rund zwei Drittel der weltweiten Nutzer zwischen 13 und 24 Jahre alt. Außerdem konnte das soziale Netzwerk 2020 von 5,5 Millionen auf 10,7 Millionen monatlich aktive Nutzer anwachsen. Ein Ende des Booms ist nicht absehbar.

Nun will TikTok erwachsen werden: Die Plattform wagt sich in die Jobvermittlung und hat in den USA „TikTok Resumes“ gestartet. Bis 31. Juli konnten Nutzer Bewerbungsvideos auf TikTok hochladen und diese mit dem Hashtag #TikTokResumes versehen. In den Videos erklären die Nutzer ihren Lebenslauf, zeigen ihre Projekte und erklären, für welche Position sie sich bewerben wollen.

Auch auf Seite der Unternehmen sind einige bekannte Marken vertreten wie etwa Shopify, Nascar oder Target. Laut Nick Tran, Global Head of Marketing von TikTok, sei #CareerTok bereits eine florierende Community auf der Plattform: „Wir können es kaum erwarten zu sehen, wie die Community „TikTok Resumes“ annimmt und dabei hilft, Recruiting und Jobfindung neu zu denken.“ Bei ausreichendem Erfolg ist es denkbar, dass TikTok das Pilotprojekt auf weitere Länder ausdehnen könnte.

Die Vor- und Nachteile von TikTok

Doch schon davor nutzten User wie auch Unternehmer TikTok für die Jobvermittlung. Schließlich ist die junge Zielgruppe auf TikTok zahlreich vertreten – und man kann sich in diesem Zusammenhang als interessanter Arbeitgeber präsentieren, der versteht, was die junge Generation umtreibt. 

Ein weiterer Pluspunkt: Der Algorithmus ist noch nicht so streng reglementiert wie bei den etablierten sozialen Netzwerken – etwa bei Facebook. Wer dort mit relativ wenigen Followern einen Beitrag oder ein Stellengesuch postet, der hat kaum eine Chance, viral zu gehen. Bei TikTok geht das viel leichter. Das alles macht die Videoplattform zu einer attraktiven Anlaufstelle für Unternehmen und Selbstständige auf Nachwuchssuche.

Es gibt aber auch Kritik: TikTok hatte in der Vergangenheit immer wieder Ärger mit Datenschützern. So hat laut Heise die niederländische Aufsichtsbehörde Ende Juli ein Bußgeld in Höhe von 750.000 Euro gegen TikTok verhängt, weil dort die Privatsphäre vor allem von Kindern verletzt worden sei.

Video-Bewerbungen als Trend

Auch an der generellen Eignung von TikTok als Jobvermittler gibt es Bedenken: TikTok ist eine spielerische Plattform, die davon lebt, dass sich niemand zu ernst nimmt. Deshalb könnte es ein Balanceakt werden, den passenden Ton für Bewerbungsvideos oder Stellengesuche zu finden. 

Die Beiträge können außerdem nur maximal drei Minuten lang sein – was für ein Bewerbungsvideo ziemlich kurz sein dürfte. Dabei kann sich der Arbeitgeber kaum einen ausschlaggebenden Eindruck vom Bewerber machen. Trotzdem hat der Social Media- und Videotrend bei der Jobvermittlung durchaus Potenzial.

“Soziale Medien und andere Video-Lebensläufe werden sich immer mehr durchsetzen”, sagte James R. Bailey, Professor bei der George Washington University School of Business, dem amerikanischen Magazin Forbes. “Das Problem mit dem Lebenslauf auf Papier ist, dass er zwar Ausbildung und Erfahrung vermittelt, aber nichts über Persönlichkeit, Kreativität oder andere gefragte Eigenschaften aussagt. Blended-Media-Lebensläufe bieten eine Menge wertvoller Informationen, die auf Papier nicht erfasst werden können.” 

Demnach ist es also gut möglich, dass immer mehr Unternehmen soziale Medien nutzen und Bewerbern die Möglichkeit geben, sich durch Videos von der Masse abzuheben und ihre Fähigkeiten so zu zeigen, wie sie es in schriftlicher Form vielleicht nicht könnten. Video-Bewerbungen und Stellengesuche auf Social Media können jedenfalls eine wichtige Hilfe werden, um gute Vertriebstalente ansprechen und entdecken zu können. 

Titelbild: ©Davide Angelini/stockadobe.com

Lisa Mayerhofer
Lisa Mayerhofer
Mitglied der NewFinance-Redaktion mit vorherigen Stationen beim Süddeutschen Verlag und Burda Forward.

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