Münchener Verein Versicherungsgruppe

Krankenzusatzversicherungen: „Vielen Kunden ist die Dringlichkeit nicht bewusst”

Bei vielen Deutschen bleiben wichtige Krankenzusatzversicherungen auf der Strecke. Wir zeigen, um welche es sich dabei handelt. Und wie Vermittler diese in die Beratung einbringen können.

Zusatzversicherungen und besonders Zahnzusatz werden immer beliebter

Wie der PKV-Verband berichtet, steigt die Zahl der Deutschen, die sich mit einer Zahnzusatzversicherung absichern, stetig an. Im Jahr 2020 waren es rund 16,9 Millionen, was gegenüber dem Vorjahr einen Anstieg um 3,3 Prozent bedeutet. Auf das vergangene Jahrzehnt gerechnet, stieg die Zahl der Deutschen mit einer Zahnzusatzversicherung sogar um 38,9 Prozent an. Besonders „auffällig“ sind dabei die „Münchener“ – Medienberichten zufolge sind sie besonders gut versichert. Wir haben bei Joachim Rahn, Leiter Maklervertrieb, nachgefragt.

„München ist die Versicherungshauptstadt Deutschlands.“

Redaktion: Herr Rahn, Münchener sind besonders gut versichert – was ist Ihrer Meinung nach der Grund dafür?

Joachim Rahn: Tja, da haben wir als Münchener Verein wohl einen guten Job gemacht (lacht). Spaß beiseite, es gibt meiner Meinung nach drei wichtige Faktoren dafür. Erstens ist München die Versicherungshauptstadt Deutschlands. Hier leben einfach viele Menschen, die etwas mit der Versicherungswirtschaft zu tun haben, angefangen bei den Angestellten von Versicherungsunternehmen, bis hin zu Vermittlern und Mitarbeitern von Vermittlern – und das hat sicherlich einen Einfluss.

Joachim Rahn

Zweitens haben die Münchener eine vergleichsweise gute Einkommenssituation. München ist eine der reichsten Städte in Deutschland und auch die umliegenden Kreise sind überwiegend wohlhabend. Und Bürger, die finanzielle Mittel zur Verfügung hat, geben auch eher Geld für Versicherungen aus.

Und der dritte Punkt ergibt sich direkt aus dem zweiten. Wer ein höheres Einkommen hat, besitzt tendenziell auch mehr, was er absichern muss und will. Logisch: Wer kein Haus hat, muss es auch nicht absichern.

Redaktion: Welche sind die beliebtesten Zusatzprodukte?

Joachim Rahn: Als Leiter Maklervertrieb eines Krankenversicherers stehen für mich natürlich die Produkte in der Krankenzusatzversicherung ganz vorne. Des Deutschen liebste Versicherung ist ganz klar die Zahnzusatzversicherung. Dahinter variiert die Reihenfolge teilweise, abhängig von der jeweiligen Umfrage. Hoch im Kurs stehen aber oft Auslandsreisekrankenversicherungen und ambulante Versicherungen, zum Beispiel für Brillen. Sogenannte Krankentagegeldversicherungen und auch Zusatzversicherungen für den Aufenthalt im Krankenhaus sind ebenso gefragte Produkte.

„Schöne Zähne gehören immer mehr zum Schönheitsideal.“

Redaktion: Woran liegt es, dass die Zahnzusatzversicherung so beliebt ist?

Joachim Rahn: Meiner Ansicht nach liegt das daran, weil fast jeder regelmäßig zum Zahnarzt geht und somit hautnah immer wieder selbst erlebt, wie unzureichend die gesetzliche Absicherung ist. Somit ist dem Bürger sehr schnell bewusst, welche immensen Kosten bei bestimmten Zahnbehandlungen beziehungsweise Zahnersatzmaßnahmen auf seine Familie und ihn zukommen können. Wer dann nicht einfach nur eine 0-8-15-Absicherung haben will, der schaut sich schon zeitnah nach einer privaten Zahnzusatzversicherung um.

Außerdem gehören schöne Zähne immer mehr zum Schönheitsideal. Wie sieht das Lächeln aus, wie gesund und „schön“ sind die eigenen Zähne? Das spielt für viele Menschen eine immer wichtigere Rolle.

Redaktion: Gibt es denn auch Zusatzversicherungen, bei denen Sie sagen, da schauen noch nicht genug Menschen drauf?

Joachim Rahn: Definitiv. Ich habe vorhin zwar schon die steigende Nachfrage nach stationäre Zusatzversicherungen erwähnt, aber insgesamt betrachtet, werden Krankenhauszusatzversicherungen gemessen an Ihrer Bedeutung noch viel zu selten abgeschlossen. Und das gilt ebenso für die private Pflegezusatzversicherung .

„Vor allem junge Menschen schieben diese Themen vor sich her.“

Redaktion: Warum das?

Joachim Rahn: Im Vergleich zu „beliebten“ Absicherungen wie etwa Zahnzusatz und Brille, „erlebt“ der Kunde glücklicherweise im allgemeinen so schnell keine Leistung aus einer Pflegezusatz oder stationären Versicherung. Leistungsfälle treten hier nicht so schnell und oft auf. Wenn sie allerdings eintreten, sind diese Versicherungen umso wichtiger, denn dann geht es oft um sehr hohe Beträge. Trotzdem schieben viele (vor allem junge Menschen) die beiden Themen vor sich her und wollen sich nicht ausreichend absichern. Vielen Kunden ist die Dringlichkeit des Bedarfes zu wenig bewusst.

Redaktion: Wenn sich ein Vermittler zum ersten Mal mit einer solchen Zusatzversicherung befassen möchte, wie kann er beim Kunden „landen“?

Joachim Rahn: Lassen Sie mich auf Ihre Frage für die private Pflegezusatzversicherung antworten. Zunächst geht es darum, den Kunden – gerade auch den jungen Kunden – einfach mal auf das Thema Pflege anzusprechen. Wenn sie/er dann kein „Rieseninteresse“ zeigt, gilt es im positiven Sinn hartnäckig zu sein und Minimum einen Basisbaustein abzusichern. Dieser kostet meistens noch nicht mal zehn Euro monatlich. Das ist für jeden finanzierbar. Das Allerwichtigste ist, dass der Kunde in jungen Jahren überhaupt in eine Pflegeversicherung einsteigt und sich so seinen guten Gesundheitszustand „sichert“. Eine qualitativ hochwertige Pflegeversicherung verfügt über so viele Ausbaumöglichkeiten, dass später in älteren Jahren eine bedarfsgerechte Absicherung ohne erneute Gesundheitsprüfung noch „erschaffen“ werden kann, wenn das Pflegerisiko dem Kunden selbst bewusster wird. Der Kunde wird dann seinem Vermittler von Herzen dankbar sein, dass er ihn mal in jungen Jahren von einem Basisbaustein überzeugt hat.

Beitragsbild und Titelbild: © Münchener Verein

Lars-Eric Nievelstein
Lars-Eric Nievelstein
Hat Kunstgeschichte, Sprache, Kultur und Literatur studiert. Schreibt gerne. So gerne, dass er sich sowohl in der NewFinance-Redaktion als auch in der Freizeit damit beschäftigt. Und sollte er mal nicht schreiben, interessiert er sich für E-Sport, Wirtschaft und dafür, wer gerade an der Börse abrutscht.

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