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Wenn die KI anfängt zu handeln

Es ist 8:30 Uhr im Maklerbüro. Der Rechner fährt hoch und ein Überblick ploppt auf: Welche Kundinnen und Kunden heute anstehen, welche Verträge demnächst auslaufen, welche Schäden nachgefasst werden sollten. Die wichtigsten E-Mails sind vorsortiert, zu zwei Kundenterminen liegen passende Vorschläge bereit. Niemand ist früher ins Büro gekommen. Das war eine KI.

Was nach Zukunftsmusik klingt, ist näher dran, als viele glauben. Agentic AI, also KI, die nicht nur antwortet, sondern eigenständig Aufgaben anstößt und koordiniert, wird bereits in Unternehmen getestet und ausgerollt. Große Beratungen wie McKinsey erwarten, dass solche KI‑Agenten vor allem in wissensintensiven Berufen enorme Produktivitätsgewinne ermöglichen. Für Maklerinnen und Makler kann das ein echter Gamechanger sein: weniger Routine, mehr Zeit für Beratung.

Was ist Agentic AI überhaupt?

Bisher arbeiten die meisten mit „klassischer“ generativer KI: Man stellt eine Frage, die KI antwortet. Man gibt Stichpunkte ein, es entsteht ein Text. Man lädt Unterlagen hoch, bekommt eine Zusammenfassung.

Agentic AI geht einen Schritt weiter:

  • Sie plant und koordiniert mehrere Aufgaben, statt nur einzelne Antworten zu liefern.
  • Sie kann auf verschiedene Systeme zugreifen (Kalender, E-Mail, CRM/MVP) und die Ergebnisse kombinieren.
  • Sie arbeitet im Hintergrund weiter, bis ein definiertes Ziel erreicht ist – zum Beispiel: „Alle Kundentermine für morgen vorbereiten“.

In aktuellen Analysen berichten Unternehmen, dass KI‑Agenten ganze Wissens‑Workflows neu organisieren und Bearbeitungszeiten in Pilotprojekten deutlich senken können. Dabei gilt: je stärker Prozesse angepasst werden, desto größer der Effekt.

Wo Agentic AI im Makleralltag greift

Maklerinnen und Makler verbringen viel Zeit mit Dingen, die sich automatisieren lassen, ohne, dass dabei die persönliche Beratung leidet. Studien zu KI im Mittelstand und in der Versicherungsbranche nennen folgende Bereiche, wo Agenten den Alltag spürbar entlasten.

Morgenroutine auf Knopfdruck: Statt selbst E-Mails durchzusehen, Termine abzugleichen und Unterlagen zusammenzusuchen, bekommt man morgens eine fertige Tagesübersicht: Offene Aufgaben, Vorbereitungen für Kundengespräche, relevante Vertragsdaten. Alles kompakt und handlungsorientiert. Der Agent hat über Nacht gearbeitet und zieht Daten aus allen Systemen zusammen.

Routineaufgaben verschwinden aus dem Kalender: Wiederkehrende Checks wie Fristenüberwachung, Wiedervorlagen oder einfache Nachfragen bei Kundinnen und Kunden werden systematisch erledigt. Ein Agent kann zum Beispiel automatisch prüfen, ob Unterlagen komplett sind, fehlende Infos anfordern und Statusmeldungen geben und dabei immer die definierten Grenzen einhalten.

Beratungsvorbereitung wird smarter: Vor Kundenterminen schlägt der Agent basierend auf verfügbaren Daten passende Optionen vor, etwa Anpassungen bei Lebensereignissen wie Umzug oder Familienzuwachs. Die finale Empfehlung und das Gespräch? Bleibt beim Menschen.

Dokumentenchaos wird Geschichte: Statt selbst alles zu sortieren und abzugleichen, extrahiert KI relevante Infos aus Verträgen, E-Mails und Scans, verknüpft sie mit Bestandsdaten und weist auf Abweichungen hin. Zeitfresser wie „Wo ist diese Police?“ oder „Fehlt eine Unterschrift?“ gehören damit der Vergangenheit an.

Warum Verbände und Politik das Thema ernst nehmen

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) betrachtet Künstliche Intelligenz als wichtigen Baustein für eine zukunftsfähige Versicherungswirtschaft, sieht aber zugleich klare Grenzen und Pflichten. In seinem Positionspapier zur europäischen KI‑Verordnung macht der GDV deutlich, dass KI Prozesse effizienter machen kann, etwa in Schadenbearbeitung oder Risikoprüfung, und dass Transparenz, Governance und Verbraucherschutz im Zentrum stehen müssen.

Für kleine und mittlere Unternehmen und damit für viele Maklerbetriebe zeigt die vom Bund unterstützte „Plattform Lernende Systeme“, dass KI‑basierte Systeme entlang der gesamten Wertschöpfungskette Chancen bieten: von Assistenzsystemen im Büro über automatisierte Dokumentenanalyse bis hin zu digitalen Services für Kundinnen und Kunden. Gleichzeitig wird geraten, Prozesse klar zu beschreiben, Verantwortlichkeiten zu definieren und KI‑Lösungen schrittweise einzuführen.

Die Leitplanken: Kontrolle, Datenschutz, Compliance

Agentic AI klingt nach „Selbstläufer“ – in der Praxis braucht es klare Grenzen. Fachanalysen zur Versicherungsbranche und zur europäischen KI‑Verordnung nennen vor allem diese Punkte.

  • Kritische Entscheidungen: Vertragsänderungen, Zahlungsanweisungen, Umgang mit Gesundheitsdaten. Hier sollte immer eine menschliche Freigabe vorgeschaltet sein.
  • Transparenz: Unternehmen müssen nachvollziehen können, welche Daten ein System nutzt, wie Entscheidungen zustande kommen und welche Risiken bestehen, gerade bei als „Hochrisiko‑KI“ eingestuften Anwendungen.

Datenschutz: Für Maklerbetriebe gelten DSGVO und branchenspezifische Vorgaben unverändert. Fachbeiträge empfehlen Anbieter mit klaren technischen und organisatorischen Maßnahmen, auditierbaren Prozessen und bevorzugt Hosting in der EU.

Agentic AI nimmt Arbeit ab – aber nicht den Beruf

Über alle Quellen hinweg zieht sich eine klare Botschaft: KI soll Menschen in beratenden Berufen nicht ersetzen, sondern entlasten. Studien zu Wissensarbeit und Agentic AI zeigen, dass die größten Effekte dort entstehen, wo Mitarbeitende von wiederkehrenden Routinen befreit werden und mehr Zeit für hochwertige, zwischenmenschliche Aufgaben haben.

Für Maklerinnen und Makler heißt das:

  • Weniger E-Mail- und Dokumentenflut.
  • Mehr Zeit für Beratung, Nachbetreuung und Akquise.
  • Mehr Raum für Weiterbildung und Spezialisierung.

Wie der Einstieg gelingen kann

Der Einstieg in Agentic AI muss kein Großprojekt sein. Erfahrungen zeigen: Der Einstieg gelingt am besten schrittweise, mit überschaubaren Anwendungen und Team-Einbindung.

  1. Mit einem klaren Use Case starten

Zum Beispiel: E-Mails vorsortieren, Wiedervorlagen organisieren, Dokumente klassifizieren oder einfache Standardanfragen bearbeiten. Wichtig: Der Nutzen sollte messbar sein, etwa gesparte Zeit pro Woche.

  1. Team von Anfang an mitnehmen

Neue Technik funktioniert nur, wenn alle verstehen, was sie tut und was nicht. Leitfäden betonen, wie wichtig Schulungen, transparente Kommunikation und eine Kultur sind, in der Rückfragen erwünscht sind. Niemand wird ersetzt, sondern entlastet. Dieser Punkt sollte klar angesprochen werden.

  1. Testen, lernen, ausbauen

Viele Anbieter setzen inzwischen auf Pilotprojekte oder Testphasen. Wer mit einem begrenzten Szenario startet, Erfahrungen sammelt und dann Schritt für Schritt skaliert, minimiert Risiken und erhöht die Akzeptanz im Team.

Agentic AI ist ein Wettbewerbsvorteil

Maklerbetriebe, die Agentic AI frühzeitig sinnvoll nutzen, verschaffen sich einen Vorsprung: Sie arbeiten effizienter, können schneller reagieren und mehr Zeit in das investieren, was Kundinnen und Kunden wirklich schätzen: persönliche, verständliche und verlässliche Beratung.

Oder anders gesagt: Agentic AI kommt nicht, um Maklerinnen und Makler zu ersetzen. Sie kommt, um ihnen den Rücken freizuhalten.

Titelbild: gorodenkoff/adobestock.com

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