Münchener Verein Versicherungsgruppe

Weniger ist mehr

„Wer die Wahl hat, hat die Qual.“ Was wie eine altbekannte Volksweisheit klingt, beschreibt heute die Realität im Versicherungsmarkt präziser denn je. Versicherungsprodukte gibt es wie Sand am Meer, Tarifoptionen in allen erdenklichen Varianten, Vergleichsportale präsentieren hunderte Angebote auf einmal. Und mittendrin: Kundinnen und Kunden, die eigentlich nur eins wollen: sich vernünftig absichern. Stattdessen fühlen sie sich von dem riesigen Angebot überfordert, schieben die Entscheidung entweder auf und landen am Ende oft gar nicht oder sogar bei der völlig falschen Police.

Du als Maklerin oder Makler kannst hier zur entscheidenden Hilfe werden. Wenn du verstehst, dass gute Beratung heute nicht bedeutet, alle Optionen aufzuzeigen, sondern die richtigen herauszufiltern und diese verständlich und alltagsnah zu vermitteln.

Das Marmeladen-Problem der Versicherungsbranche

Um das nochmal zu verdeutlichen, folgt ein kurzer Exkurs in einen kalifornischen Supermarkt gegen Anfang der 2000er Jahre: Die Psychologinnen Sheena Iyengar und Mark Lepper bauen einen Probiertisch auf. An einem Tag stehen dort sechs Marmeladensorten, am anderen 24. Das Ergebnis ihrer mittlerweile berühmten Studie: Während bei großer Auswahl 60 Prozent der Kundinnen und Kunden stehen blieben und probierten, kauften am Ende nur 2 Prozent. Bei der kleineren Auswahl probierten zwar nur 40 Prozent, aber mit 12 Prozent kauften hier deutlich mehr von ihnen ein Gläschen Konfitüre.

Was Iyengar und Lepper als „Choice Overload“ bezeichneten, erleben Versicherungskundinnen und -kunden täglich. Laut einer Studie wissen fast die Hälfte der Deutschen nicht, wie viel sie jährlich für ihre Versicherungen ausgeben. Eine weitere zeigt: Drei von zehn kennen nicht einmal ihre monatlichen Kosten. Das Problem: Es gibt zu viele Optionen, zu viel Komplexität, zu wenig Orientierung.

Komplexität reduzieren, nicht erhöhen

Genau hier liegt die große Chance. Und gleichzeitig die größte Herausforderung. Denn während Vergleichsportale mit der schieren Masse an Optionen arbeiten, liegt die Stärke deiner Beratung genau im Gegenteil: im bewussten Weglassen, im Filtern, im Vereinfachen, im Unterstützen. Es geht nicht um das Vorstellen aller möglichen Varianten, sondern der passenden. Darin liegt ein gewaltiger Unterschied.

In der Praxis könnte das also so aussehen: Statt zwanzig Optionen zu präsentieren, kristallisierst du maximal drei heraus. Statt jeden Tarif bis ins kleinste Detail zu erklären, zeigst du die eine entscheidende Unterscheidung auf. Statt mit Fachchinesisch zu überfordern, übersetzt du in Alltagssprache.

Das Drei-Schritte-Modell

Ein strukturierter Beratungsprozess hilft dabei, Kundinnen und Kunden nicht zu überfordern und trotzdem zu einer fundierten Entscheidung zu führen:

Schritt 1: Lebenssituation erfassen, nicht Produktwünsche

Die meisten Kundinnen und Kunden kommen mit konkreten Produktideen im Kopf: „Ich brauche eine Zahnzusatzversicherung“ oder „Ich will eine BU abschließen.“ Deine Aufgabe ist es nun, einen Schritt zurückzugehen und nach der tatsächlichen Situation zu fragen.

Beispiel: Eine 32-jährige Selbstständige kommt wegen einer Berufsunfähigkeitsversicherung. Statt direkt Tarife zu präsentieren, fragst du: Wie sieht dein Arbeitsalltag aus? Wie lange könntest du finanziell überbrücken, wenn du nicht mehr arbeiten kannst? Gibt es bereits private Rücklagen oder Absicherungen?

Aus diesen Antworten ergeben sich die tatsächlichen Risiken und damit die Prioritäten. Vielleicht stellt sich heraus, dass die Krankentagegeldversicherung aktuell wichtiger und passender wäre als die BU. Oder dass eine Kombination aus reduzierter BU-Rente plus privater Vorsorge besser zur individuellen Risikostruktur passt.

Schritt 2: klare Prioritäten setzen

Laut Versicherungsmarkt-Forschung treffen Kundinnen und Kunden Kaufentscheidungen nicht rein rational, sondern stark emotional, besonders bei komplexen Produkten. Heißt: Verlustängste spielen oft eine größere Rolle als Gewinnerwartungen.

Nutze dieses Wissen und sortiere Risiken nach Dringlichkeit:

  • Existenzbedrohende Risiken (wie Haftpflicht, Berufsunfähigkeit): Hier muss sofort eine Lösung her.
  • Wichtige Risiken (wie Krankentagegeld, Unfallversicherung): Sollten zeitnah abgedeckt werden.
  • Nice-to-have-Absicherungen (wie Reisegepäckversicherung): Können später ergänzt werden.

Indem du diese Struktur transparent machst, gibst du Kundinnen und Kunden das Gefühl, selbst die Kontrolle zu behalten, ohne von allen Optionen gleichzeitig erschlagen zu werden.

Schritt 3: maximal drei Varianten präsentieren

Wie im Marmeladenbeispiel weiter oben bereits verdeutlicht, sinkt die Entscheidungsfreude rapide, sobald mehr als drei Optionen zur Wahl stehen. Deine Aufgabe als Maklerin oder Makler ist es daher, auf Basis der Lebenssituation und Prioritäten maximal drei konkrete Varianten herauszuarbeiten.

Ein gutes Beispiel liefert der Münchener Verein mit seiner Zahnzusatzversicherung ZahnGesund: Statt Kundinnen und Kunden mit acht verschiedenen Bausteinen zu überfordern, gibt es drei klar abgestufte Varianten: ZahnGesund 75+, ZahnGesund 85+ und ZahnGesund 100.

Jede Variante hat eine eindeutige Zielgruppe:

  • ZahnGesund 75+: Basis-Absicherung mit 75-80 Prozent Erstattung für Zahnersatz, ideal für preisbewusste Kundinnen und Kunden
  • ZahnGesund 85+: Komfort-Variante mit 85-90 Prozent Erstattung, das beste Preis-Leistungs-Verhältnis für die meisten
  • ZahnGesund 100: Premium-Schutz mit 100 Prozent Erstattung plus Extras wie Bleaching, für eine Rundum-Sorglos-Absicherung

Der entscheidende Punkt: Alle drei Tarife unterscheiden sich klar in der Erstattungshöhe, nicht in hundert Kleinigkeiten. Die Kundin weiß sofort: „Wie viel Absicherung will ich?“ Statt: „Brauche ich jetzt Baustein A, B, C in Kombination mit D, aber ohne E?“

Noch ein Tipp: Verzichte auf Varianten, die sich nur marginal unterscheiden („Option A hat 25 Euro Selbstbehalt, Option B 300 Euro“). Das verwirrt mehr, als es hilft.

Visualisierung schlägt Textwüsten

Versicherungsbedingungen sind komplex, keine Frage. Aber das bedeutet nicht, dass deine Beratung kompliziert sein muss. Eine der wirkungsvollsten Methoden, um Entscheidungen zu erleichtern heißt Visualisierung.

Konkrete Praxis-Tipps:

Gegenüberstellungs-Tabelle statt Fließtext:

Statt drei Seiten Produktbeschreibung zu verschicken, erstellst du eine einfache Tabelle mit den drei wichtigsten Leistungsunterschieden. Schwarz auf weiß, auf einen Blick erfassbar.

So erfassen Kundinnen und Kunden auf einen Blick: Der Hauptunterschied liegt in der Zahnersatz-Erstattung. Alles andere ist klar strukturiert.

Tipp: Der Münchener Verein zeigt auf seinen Produktseiten genau so eine übersichtliche Darstellung: klare Tabellen, ansprechende Grafiken, keine Textwüsten. Diese Art der Darstellung kannst du für deine eigenen Angebote übernehmen.

Auch spannend: Visuelle Aufbereitung mit Canva Tools wie Canva ermöglichen es dir, innerhalb von Minuten ansprechende, moderne Vergleichsgrafiken zu erstellen, ganz ohne Grafikdesign-Kenntnisse. Statt eine Excel-Tabelle zu verschicken, erstellst du eine professionell aussehende Infografik mit Farbcodierung:

  • Grüne Häkchen für enthaltene Leistungen
  • Rote Kreuze für nicht enthaltene Features
  • Klare Icon-Sprache statt Fachbegriffe
  • Corporate Design deiner Agentur

Szenarien statt Theorie:

Erkläre nicht abstrakt, was „abstrakte Verweisung“ bedeutet. Male ein konkretes Bild: „Wenn du als selbstständige Grafikdesignerin berufsunfähig wirst und die Versicherung sagt, du könntest ja noch als Pförtnerin arbeiten, dann greift der Verzicht auf abstrakte Verweisung.“

Oder am Beispiel der Zahnzusatzversicherung:  Statt zu erklären, was eine „Leistungsstaffel“ ist, zeige die praktische Auswirkung: „Du schließt heute den Münchener Verein ZahnGesund 100 ab. Nächstes Jahr brauchst du ein Implantat für 3.000 Euro. Die Versicherung zahlt ohne Leistungsstaffel sofort 100 Prozent, also rund 2.350 Euro nach Abzug des GKV-Zuschusses. Hättest du einen Tarif mit Leistungsstaffel, würdest du im ersten Jahr nur max. 1.000 Euro bekommen.“

Vom Produktverkäufer zum Entscheidungscoach

Was also heißt das nun für dich? Es ist vor allem eines: ein Denkanstoß. Die Rolle von Versicherungsmaklerinnen und Versicherungsmaklern hat sich fundamental verändert. Produktinformationen finden Kundinnen und Kunden heute überall. Was sie nicht finden: jemanden, der ihnen hilft, aus der Informationsflut die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Das ist deine Chance. Positioniere dich nicht als die Person, die alle Tarife kennt – sondern als die Person, die weiß, welche drei Tarife für diese konkrete Kundin, in dieser konkreten Lebenssituation wirklich relevant sind.

Konkrete nächste Schritte für deine Praxis:

  1. Überarbeite deine Angebotsunterlagen: Reduziere gegebenenfallsauf drei Varianten. Erstelle einfache Vergleichstabellen statt Textblö
  2. Etabliere ein Standard-Gesprächsgerüst: Lebenssituation, Prioritäten, Empfehlung. In dieser Reihenfolge, jedes Mal.
  3. Nutze Visualisierungen: Erstelle für die häufigsten Kundentypen (Familie, Single, Selbstständige) je eine Visualisierung in Form von Tabellen, Grafiken etc.
  4. Hole Feedback ein: Frage nach dem Abschluss oder am Ende von Gesprächen: „Wie hast du die Beratung erlebt? Gab es einen Moment, wo du dich überfordert gefühlt hast?“

Fazit: Weniger zeigen, mehr verkaufen

Kundinnen und Kunden wollen keine perfekte Entscheidung. Sie wollen eine gute Entscheidung: schnell, klar, passend auf ihre Lebenssituation und mit einem guten Gefühl. Wer ihnen dabei hilft, indem er Komplexität bewusst reduziert statt zu erhöhen, schafft nicht nur eine zufriedene Kundschaft, sondern auch mehr Abschlüsse.

Denn am Ende gilt: Entscheidungen werden nicht aus Vollständigkeit getroffen, sondern aus Klarheit und dem Gefühl von Verständnis.

Titelbild:peopleimages.com/adobestock.com

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