„Die Menschen im Unternehmen machen es zu dem, was es ist“, stellt Joachim Rahn, Leiter Maklervertrieb, klar. Doch wer genau steckt hinter dem Münchener Verein? Hier stellen wir Euch unsere „Vereinsmitglieder“ vor. Diesmal: Christian Mohrdieck, seit dem 01. Mai 2025 neuer Finanzvorstand des Münchener Verein.
Redaktion: Christian, Du bist erst seit kurzem beim Münchener Verein – darf man noch „Willkommen im Unternehmen“ sagen?
Christian Mohrdieck: Sehr gerne. Obwohl ich erst seit zwei Monaten beim Münchener Verein bin und mich noch frisch fühle, bin ich dank der tollen Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen – auch bei Formaten wie dem Tischtennis-Turnier oder der Fahrradausfahrt – gut angekommen und fühle mich sehr wohl hier.
Redaktion: Wenn Du gerade von Deinem Alltag sprichst, was genau sind so Deine Aufgaben hier beim Münchener Verein?
Christian Mohrdieck: Ich bin als neuer Finanzvorstand gestartet und befinde mich derzeit noch in einer Art Zwitter-Rolle: Neben der Tätigkeit als Finanzvorstand beim Münchener Verein, bin ich auch kommissarischer Fachbereichsleiter für das Asset Management. Ein Bereich den ich von Karsten Kronberg übernommen habe und der zugleich auch meine „Homebase“ ist. Das Aufgabenfeld habe ich die letzten 20 Jahre beruflich betreut.
Zudem stimme ich aktuell die zukünftige Zusammenarbeit mit meinen Vorstandskollegen ab – sowohl mit den neuen (Peter Bauer, Sebastian Hartmann, die „drei jungen Wilden“) als auch mit den erfahrenen (Herr Kronberg, Herr Dr. Reitzler). Ein gemeinsamer Schwerpunkt liegt dabei auf der Weiterentwicklung der Strategie „Wachstum 25“.
Redaktion: Wie kam es dann zu der Entscheidung für die Versicherungsbranche und im speziellen für den Münchener Verein?
Christian Mohrdieck: Schon als Jugendlicher faszinierte mich der Finanzmarkt, was mich zu einer Bankausbildung führte. Schnell wurde mir jedoch klar, dass mich nicht das klassische Bankgeschäft, sondern das aktive Fondsmanagement anzog. Im Bankwesen störte mich der Fokus auf kurzfristigen Handel (An- und Verkauf), dem die langfristige Verantwortung fehlte. Die Stuttgarter Versicherung bot mir die Chance, in die Versicherungsbranche einzusteigen und Verantwortung für die Kapitalanlage zu übernehmen. Hier konnte ich Entscheidungen treffen, die nicht nur kurzfristig relevant waren, sondern über Jahrzehnte hinweg die Verpflichtungen gegenüber unseren Mitgliedern erfüllen.
Diese Langfristigkeit machte die Versicherungsbranche für mich sehr interessant und war der ideale Einstieg.
Meine Entscheidung für den Münchener Verein ist eine direkte Konsequenz meiner bisherigen beruflichen Ausbildung und Laufbahn. Mein Einstieg erfolgte bei der Stuttgarter Versicherung, einem Unternehmen, das in Bezug auf Mitarbeiterzahl, Kapitalanlagengröße, Prozesse und Entwicklungsmöglichkeiten dem Münchener Verein ähnelt.
Anschließend wechselte ich als Abteilungsleiter zur Süddeutschen Krankenversicherung. Dort habe ich eine neue Kapitalanlagestrategie implementiert, wirkte maßgeblich an kulturellen Veränderungen, der strategischen Ausrichtung, internen Projekten und sogar an der Gestaltung der neuen Hauptverwaltung mit. Dies hat mir ein umfassendes Verständnis für alle Prozesse eines mittelständischen Versicherungsunternehmens vermittelt. Der Wechsel zum Münchener Verein als Finanzvorstand in einem ähnlich großen Versicherungsunternehmen war daher der nächste logische Karriereschritt.
Redaktion: Wie stellst Du als Finanzvorstand des Münchener Verein die finanzielle Zukunft des Unternehmens sicher?
Christian Mohrdieck: Ich stelle sie sicher, indem wir uns darum kümmern, dass unsere, von unseren Mitgliedern anvertrauten, Gelder, bestmöglich investiert werden. Wir verfügen über eine ausgezeichnete Ausgangslage, gekennzeichnet durch eine hohe Eigenkapitalquote, eine hohe Solvency-Quote und eine hohe RfB-Quote. Dies bildet ein solides Fundament, auf dem wir aufbauen können. Mein Team und ich evaluieren jährlich unsere Risikotragfähigkeit und prüfen, wie wir diese am effizientesten am Kapitalmarkt nutzen können, um eine attraktive Rendite für unsere Mitglieder zu erwirtschaften.
Redaktion: Dann kommen wir jetzt zur Digitalisierung. Wie verändert die Digitalisierung die Arbeit im Finanzbereich?
Christian Mohrdieck: Das ist vielfältig! Beispielsweise haben wir ein neues Nebenbuch implementiert. Dieses Nebenbuch dient dazu, unsere gesamten Kapitalanlagebestände zu verwalten und abzubilden. Hieraus ist zudem ein effizientes Berichtswesen entstanden. Dies ermöglicht uns, die stetig zunehmenden regulatorischen Anforderungen, wie beispielsweise bei der Principal Adverse Impact (PAI) Meldungen, Taxonomie und weiteren Themen, digital und auf Knopfdruck darzustellen und gibt uns die zusätzliche Möglichkeit effizienter eine strategische Asset Allokation (SAA) umzusetzen.
Auch die Art und Weise, wie meine Kollegen im Portfoliomanagement heute handeln, hat sich gewandelt. Früher war ich es noch gewohnt, direkt telefonisch mit den Händlern zu interagieren. Heute kommen moderne Handelssysteme wie Bloomberg zum Einsatz, die auch integrierte Chatfunktionen für den Handel bieten. Dies ermöglicht einen deutlich schnelleren und transparenteren Handel. Selbstverständlich berücksichtigen wir dabei auch die Attraktivität verschiedener Investitionsmöglichkeiten. Dazu zählen beispielsweise Unternehmen wie Nvidia, die massiv von der Digitalisierung profitieren, sodass wir ebenfalls an der generierten Rendite partizipieren können
Redaktion: „Das bewerte bewahren und dort, wo es notwendig ist, investieren“, der Satz stammt von Dir. Wie konservativ soll, muss oder darf ein Versicherungsunternehmen wie der Münchener Verein aus deiner Sicht haushalten?
Christian Mohrdieck:
Ein Versicherungsunternehmen sollte so wirtschaften, dass es seine Wettbewerbsfähigkeit am Markt nicht durch übermäßiges Sparen einbüßt oder seine Zukunftsfähigkeit gefährdet.
Es geht nicht darum, eine Vielzahl an Aktivität einzustellen, nur um die Kosten unter Kontrolle zu halten. Vielmehr müssen wir kontinuierlich prüfen, welche Themen wir optimieren oder ganz einstellen können und wo wir in neue Initiativen investieren sollten.
Ein konkretes Beispiel hierfür ist unsere jüngste Entscheidung im Asset Management: Wir haben das Performance Reporting durch einen externen Dienstleister eingestellt und stattdessen eine andere Dienstleistung beauftragt, die uns bei der gesetzlich geforderten Plausibilisierung von Ratings unterstützt. Dies war ein innovativer Schritt, der uns keine zusätzlichen Kosten verursachte, aber unsere internen Prozesse maßgeblich verbesserte.
Grundsätzlich gilt es, stets zu hinterfragen, ob historisch gewachsene Strukturen oder Dienstleistungen tatsächlich noch benötigt werden.
Redaktion: Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit bei Deinen Investitionsentscheidungen?
Christian Mohrdieck: Das Thema Nachhaltigkeit ist vielschichtig und komplex. In der Vergangenheit lag der Fokus stark auf Umweltaspekten, und es ist unerlässlich, Klimaabkommen, CO2-Ausstoß und Ähnliches zu quantifizieren, um den ökologischen Fußabdruck zu minimieren. Weniger überzeugt bin ich von der ausufernden Berichtspflicht, die meiner Ansicht nach nur von einem geringen Anteil gelesen wird. Erfreulicherweise wurde bei der CSRD-Berichterstattung das Proportionalitätsprinzip überarbeitet.
Der Münchener Verein verankert Nachhaltigkeitsaspekte und ESG-Vorgaben fest in seiner Kapitalanlageleitlinie. Dies umfasst: Verbindliche Ausschlüsse, Spezifische Vorgaben für Assetklassen, Aufbau eines Impact Portfolios (Ziel: 2,5 % der Gesamtanlagen). Wir integrieren Nachhaltigkeitsaspekte konsequent in die eigene Immobilienentwicklung (z.B. Neubau Pettenkoferstraße 21).
Nachhaltigkeit bedeutet dabei auch, einen Zins zu erwirtschaften, der bestmöglich zu den Kundenverpflichtungen passt.
Mit dieser Nachhaltigkeitsstrategie in der Kapitalanlage leben wir unsere Verantwortung und stellen sicher, dass die „Zukunft in besten Händen“ liegt.
Redaktion: Abschließend noch eine privatere Frage: Es können wohl nur wenige Menschen so gut mit Geld umgehen, wie Du, der CFO eines Versicherungsunternehmens. Gab es dennoch eine private Anschaffung, bei der Du dir – wenn vielleicht auch mit einem etwas schlechtem Gewissen – „gegönnt“ hast?
Christian Mohrdieck: Ja, das kommt tatsächlich häufiger vor. Meine besondere Leidenschaft gilt Fahrrädern – sowohl der zugrundeliegenden Technologie als auch dem Sport selbst. Wenn ich mir also etwas gönne, dann ist es in diesem Bereich. Da meine Frau schon darauf achtet, haben wir eine klare Vereinbarung getroffen: Kaufe ich ein neues Fahrrad, muss ein anderes aus der Garage weichen. Aktuell lebe ich als beruflicher Pendler hier in München unter der Woche allein, was mir etwas mehr Spielraum für das eine oder andere „geheime“ neue Fahrrad verschafft. Aktuell suche ich für München ein unkompliziertes „Biergarten-Fahrrad“, um bequem von A(rbeit) nach B(iergarten) zu gelangen. Dafür schaue ich bevorzugt nach günstigen Angeboten über Kleinanzeigen.
Titelbild: © Christian Mohrdieck


