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Beratung 2.0

Künstliche Intelligenz ist längst nicht mehr nur ein Buzzword aus Silicon Valley. Sie ist dabei, die Versicherungsbranche, und damit auch den Beratungsalltag von Maklerinnen und Maklern, spürbar zu verändern.

Von intelligenten E-Mail-Assistenten, die Postfächer sortieren und automatisch Antworten vorschlagen, bis hin zu KI-Agenten, die komplexe Tarifvergleiche binnen Sekunden durchrechnen: Besonders hilfreich ist KI dort, wo Routinearbeiten viel Zeit kosten. Dadurch halten sie den Rücken für das Wesentliche frei: die persönliche Beratung und den Aufbau von Kundenbeziehungen.

Neue Ansätze

Neben der Entlastung im Tagesgeschäft eröffnet KI auch neue Chancen in der Kundenbetreuung. Moderne Systeme können auf Basis vorhandener Kundendaten Risikoprofile in Echtzeit erstellen. Sie ziehen dafür Parameter wie Alter, Familienstand, Beruf, Einkommenssituation oder auch Angaben zu bestehenden Verträgen heran. Mit Hilfe dieser Daten lassen sich Szenarien modellieren, die beispielsweise aufzeigen, wie sich ein bestimmter Lebenswandel – etwa die Geburt eines Kindes oder eine Immobilienfinanzierung – auf den Absicherungsbedarf auswirkt.

Darüber hinaus können KI-gestützte Empfehlungssysteme mitunter deutlich präzisere Produktempfehlungen ermöglichen. Statt pauschaler Tarifvorschläge berücksichtigt die Software individuelle Faktoren wie den gewünschten Leistungsumfang, Vorerkrankungen, Beitragsbudgets oder steuerliche Aspekte. Auf diese Weise entstehen maßgeschneiderte Vorschläge, die den Kundenerwartungen wesentlich besser entsprechen.

KI-Offensive aus der Branche

Einige Maklerpools treiben das Thema KI bereits aktiv voran. So hat Fonds Finanz Anfang 2025 den Start eines sogenannten „AI-Hubs angekündigt, der über die Automatisierungsplattform „Make.com“ laufen soll. Damit sollen Vermittlerinnen und Vermittler unter anderem E-Mails klassifizieren, Daten aus Dokumenten extrahieren und automatisierte Kundenkommunikation aufsetzen können.

Auch der Maklerpool blau direkt setzt KI bereits ein und wurde im Rahmen der Studie „Maklerpool-Navigator 2025“ des Magazins Finanzwelt sogar speziell für seine KI-Kompetenzen ausgezeichnet. Aber auch andere Player halten sich ran. Ein Beispiel ist der Pool WIFO, der mit seinem Tool ViKI zeigt, wie Bestandsanalysen und Potenzialerkennung automatisiert laufen können.

Übrigens: Viele KI-Systeme können auch automatisch erkennen, wann Verträge auslaufen, welche Nachversicherungsgarantien bestehen oder wo Beitragsanpassungen sinnvoll sind. Damit sorgen sie dafür, dass Maklerinnen und Makler proaktiv auf ihre Kundschaft zugehen können, anstatt nur zu reagieren. Aus jedem potenziellen Risiko wird so ein konkreter Beratungsanlass, und aus administrativem Aufwand entsteht eine neue Chance für aktives Geschäft.

Für messbare Effizienzgewinne

Dass sich der Einsatz von KI lohnt, ist bereits durch Studien belegt. Eine aktueltle Untersuchung der Unternehmensberatung McKinsey zeigt, dass generative KI in der Versicherungswirtschaft Produktivitätssteigerungen von 10 bis 20 Prozent ermöglichen dürfte. Gleichzeitig sehen die im Rahmen der Studie befragten Führungskräfte Potenzial für Prämienwachstum von 1,5 bis 3 Prozent sowie Verbesserungen technischer Ergebnisse von 1,5 bis 3 Prozentpunkten.

Und für den Makleralltag heißt das: weniger Papierchaos, mehr Zeit für das Kundengespräch. Oder anders gesagt: KI übernimmt die Büroarbeit, der Makler kümmert sich um den Abschluss.

Persönliche Beratung bleibt unverzichtbar

Trotzdem: So beeindruckend die Möglichkeiten von Künstlicher Intelligenz auch sind; Empathie, Erfahrung und Menschenkenntnis lassen sich nicht digitalisieren. Eine Maschine versteht keine Zwischentöne im Gespräch, sie erkennt keine unausgesprochenen Sorgen und sie spürt nicht, wenn ein Kunde zögert, weil ihn etwas emotional bewegt. Vertrauen entsteht im persönlichen Austausch. Durch Zuhören sowie Einfühlungsvermögen. Und durch die Fähigkeit, komplexe Sachverhalte verständlich zu erklären.

Jede Maklerin und jeder Makler weiß: Gerade in der Versicherungsberatung spielt diese persönliche, empathische Dimension eine sehr zentrale Rolle. Kundinnen und Kunden möchten sicher sein, dass ihre individuellen Lebensumstände berücksichtigt werden und dass sie nicht nur auf Basis von Algorithmen eine Empfehlung erhalten. Hier bleibt der Makler oder die Maklerin also unverzichtbar.

Wer KI aber gezielt nutzt, verschafft sich dennoch einen deutlichen Vorteil: Routinearbeiten laufen im Hintergrund, Tarife und Policen sind vorbereitet, Analysen liegen bereits auf dem Tisch. Dadurch bleibt im Kundengespräch mehr Zeit für das Wesentliche beziehungsweise für genau das, was die KI nicht kann: die persönliche Beratung, die das Vertrauen stärkt und den Abschluss wahrscheinlicher macht.

Heißt im Klartext: KI übernimmt die Vorbereitung, der Mensch liefert die Beziehungsebene. Diese Kombination ist es, die Beratung künftig besonders wertvoll macht.

Worauf achten?

So groß die Chancen sind, so wichtig ist auch der verantwortungsvolle Umgang mit künstlicher Intelligenz. Denn wo sensible Daten fließen, müssen klare Regeln gelten. Neben der DSGVO rückt vor allem der EU-AI-Act in den Fokus. Er schreibt vor, dass KI-Systeme in sensiblen Branchen wie der Finanz- und Versicherungswelt besonders transparent, sicher und nachvollziehbar sein müssen.

Für die Maklerschaft bedeutet das, dass sie sich intensiv mit den technischen Grundlagen und den rechtlichen Rahmenbedingungen auseinandersetzen müssen. Zudem sollte sie ihre Kunden klar und jederzeit transparent darüber informieren, wo und wie sie KI in ihrer Kommunikation einsetzen.

Nicht den Anschluss verlieren

Die strategische Bedeutung von KI für den Maklerberuf lässt sich kaum überschätzen. Kundinnen und Kunden erwarten heute nicht nur den besten Preis, sondern auch einen modernen, effizienten und digitalen Service.

Wer diese Erwartungen erfüllt, wird als professionell und zeitgemäß wahrgenommen. Wer hingegen an alten Strukturen festhält, läuft Gefahr, von Wettbewerbern abgehängt zu werden. Der Einsatz von KI wird damit nicht zu einem zusätzlichen Wettbewerbsvorteil, sondern zu einer Grundvoraussetzung für langfristigen Erfolg.

Mensch und Maschine als starkes Team

Die Zukunft der Versicherungsvermittlung ist hybrid. KI übernimmt Routine und Analyse, während Maklerinnen und Makler mit Erfahrung, Empathie und Vertrauen die entscheidenden Akzente setzen. Wer bereit ist, diese Kombination anzunehmen, verschafft sich einen klaren Vorsprung gegenüber Mitbewerbern. Wer die Möglichkeiten hingegen ignoriert, wird mittelfristig Schwierigkeiten haben, Schritt zu halten.

Titelbild © Qunica.com /stock.adobe.com

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